Quellcode verkaufen heißt in Deutschland: Du räumst dem Käufer ein ausschließliches, räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränktes Nutzungsrecht nach § 31 UrhG ein und übergibst das Repo. Das Urheberrecht selbst bleibt nach § 29 UrhG beim Urheber. Wirtschaftlich gehört der Code danach dem Käufer, und du darfst ihn nicht mehr nutzen.
Verkaufen kannst du nur Code, an dem dir die Rechte vollständig gehören, belegt durch Arbeits-, Freelancer- und Kundenverträge. Genau das prüft jeder ernsthafte Käufer als Erstes. Wer den Code selbst weiter einsetzen will, sollte statt eines Verkaufs eine Lizenz anbieten.
Was genau verkaufst du?
Rechtlich verkaufst du drei Dinge:
- Ein ausschließliches Nutzungsrecht. Der Käufer darf den Code vervielfältigen, bearbeiten, verbreiten und öffentlich zugänglich machen (§ 69c UrhG), und alle anderen sind ausgeschlossen, auch du, wenn du dir nichts vorbehältst (§ 31 Abs. 3 UrhG).
- Das Recht, weitere Rechte zu vergeben. Damit der Käufer seinerseits lizenzieren kann, braucht er nach § 35 Abs. 1 UrhG die Zustimmung des Urhebers. Die gehört in den Kaufvertrag.
- Das Material. Repo mit Git-Historie, Dokumentation, Build- und Deployment-Skripte, Testdaten ohne personenbezogene Daten.
Wer kauft Quellcode?
Die Käufer lassen sich grob in vier Gruppen teilen:
- Der ursprüngliche Kunde. Er nutzt den Code schon und will Exklusivität oder die Rechte an deinen Bausteinen, um unabhängig zu werden. Oft der einfachste Abschluss.
- Softwarefirmen mit Lücke im Produkt. Eine fertige Funktion zu kaufen geht für diese Firmen schneller, als sie selbst zu bauen.
- Andere Agenturen und Systemhäuser. Diese Firmen suchen Bausteine für eigene Projekte und nehmen sie häufig lieber als Lizenz.
- Käufer von Trainingsdaten. Funktionierender, getesteter Code ist als Material für KI-Training gefragt. Hier geht es fast immer um nicht exklusive Lizenzen.
Was prüfen Käufer?
Ein Käufer zahlt für Code, den er ohne Risiko einsetzen kann. Er prüft deshalb in dieser Reihenfolge:
| Prüfpunkt | Was der Käufer sehen will |
|---|---|
| Rechtekette | Wer hat den Code geschrieben? Angestellte sind über § 69b UrhG abgedeckt. Für Freelancer und Subunternehmer: Verträge mit Rechteeinräumung. Für Kundenprojekte: den Projektvertrag. Für Code der Gründer aus der Zeit vor der GmbH: einen Einbringungsvertrag |
| Open Source | Eine Liste aller Abhängigkeiten mit Lizenzen. Copyleft-Komponenten in zentralen Teilen senken den Wert oder schließen bestimmte Verwendungen aus |
| Zustand | Läuft der Build? Gibt es Tests und wie viel decken sie ab? Wie alt sind die Abhängigkeiten? Gibt es Dokumentation, die ein fremdes Team versteht? |
| Altlasten | Zugangsdaten in der Git-Historie, Kundendaten in Fixtures, Kundennamen im Code |
Wie du die Rechtekette vorher selbst prüfst, steht in Wem gehört der Code?.
Wie läuft ein Verkauf ab?
- Inventur. Repos auflisten, Rechtelage je Repo klären, Open-Source-Liste erzeugen.
- Aufräumen. Geheimnisse und Kundendaten entfernen, auch aus der Historie. Build reproduzierbar machen. Eine kurze README, die erklärt, was der Code tut.
- Bewertung. Eine realistische Spanne, bevor du mit Käufern sprichst. Wie man den Wert einschätzt, steht in Was ist Code wert?.
- Geheimhaltungsvereinbarung. Bevor jemand Code sieht.
- Prüfung durch den Käufer. Lesezugriff auf eine Kopie, Fragen zu Architektur und Rechten.
- Kaufvertrag. Rechteeinräumung, Übergabe, Gewährleistung, Haftung, Übergangssupport.
- Übergabe. Repo übertragen, eigene Kopien löschen, soweit vereinbart.
Was gehört in den Kaufvertrag?
- Gegenstand. Welche Repos, welcher Stand, welche Dokumentation.
- Rechteeinräumung. Ausschließlich, unbeschränkt, mit Zustimmung zur Weiterübertragung und zur Einräumung weiterer Rechte (§§ 34, 35 UrhG).
- Garantie zur Rechtekette. Du sicherst zu, dass dir die Rechte zustehen. Das ist der Punkt, an dem der Käufer am härtesten verhandelt, und der Grund für die Inventur.
- Open-Source-Liste als Anlage, mit dem Hinweis, dass diese Komponenten unter ihren eigenen Lizenzen stehen.
- Haftungsgrenze. Üblich ist eine Deckelung auf den Kaufpreis.
- Rückbehalt. Willst du Teile weiter nutzen, etwa generische Hilfsfunktionen, brauchst du ein einfaches Nutzungsrecht zurück.
- Übergangssupport. Wie viele Stunden Fragen du nach der Übergabe beantwortest und zu welchem Satz.
Verkaufen oder lizenzieren?
| Verkauf | Nicht exklusive Lizenzen | |
|---|---|---|
| Passt, wenn | Es genau einen Käufer gibt, der Exklusivität will und sie bezahlt | Es mehrere mögliche Abnehmer mit ähnlichem Bedarf gibt |
| Geld | Mehr pro Abschluss | Weniger pro Abschluss |
| Code danach | Beim Käufer | Bleibt bei dir, du nutzt ihn weiter in eigenen Projekten und kannst ihn erneut vergeben |
Wie Lizenzmodelle aussehen, steht in Softwarelizenz.