Beim agilen Festpreis sind Budget und grober Umfang fest, die Details bleiben beweglich. Der Kunde bekommt eine Zahl, mit der er intern planen kann. Du bekommst das Recht, Anforderungen zu tauschen, statt jede Änderung als Mehrleistung verkaufen zu müssen.
Damit das funktioniert, braucht es vier Regeln im Vertrag:
- einen gemeinsamen Checkpoint am Anfang,
- einen Austausch gleich großer Anforderungen,
- eine Quote für Mehraufwand,
- Ausstiegspunkte.
Ohne diese Regeln ist ein agiler Festpreis nur ein Festpreis mit unklarem Scope, und den zahlst du.
Was ist ein agiler Festpreis?
Ein klassischer Festpreis setzt voraus, dass der Umfang vorher feststeht. In Softwareprojekten tut er das selten. Ein reiner Aufwandsvertrag lässt den Kunden ohne Budgetgrenze.
Der agile Festpreis liegt dazwischen:
- Das Budget ist fest.
- Der Umfang ist auf der Ebene von Epics oder Features fest, mit einer groben Schätzung pro Feature.
- Die Details werden Sprint für Sprint verfeinert und priorisiert.
- Änderungen sind erlaubt, solange sie gegen gleich große Anforderungen getauscht werden.
Rechtlich ist so ein Vertrag häufig ein Werkvertrag nach § 631 BGB, weil ein Ergebnis zum festen Preis geschuldet ist. Was das für Abnahme und Zahlung bedeutet, steht in Werkvertrag oder Dienstvertrag.
Wie baust du einen agilen Festpreis auf?
- Grobes Backlog und Referenz-Feature. Gemeinsam mit dem Kunden listest du alle Features auf und schätzt sie relativ zueinander, etwa in Story Points. Ein mittelgroßes Feature wird detailliert ausgearbeitet und als Referenz genommen. Alle anderen werden daran gemessen.
- Checkpoint-Phase. Die ersten zwei bis vier Sprints laufen zu einem festen, reduzierten Preis. Danach schauen beide Seiten auf die echte Geschwindigkeit. Passt sie zur Schätzung, läuft das Projekt weiter. Passt sie nicht, kann jede Seite aussteigen, und der Kunde behält, was bis dahin gebaut wurde.
- Austauschregel. Will der Kunde ein neues Feature, fliegt ein gleich großes, noch nicht begonnenes Feature raus. Die Größe bestimmt ihr gemeinsam anhand der Referenz. Kein Nachtrag, keine Diskussion über Mehrkosten, solange getauscht wird.
- Risikoteilung. Reicht das Budget trotzdem nicht, greift eine Quote. Ein Beispiel: Weitere Stunden zahlt der Kunde zur Hälfte zum vereinbarten Satz, die andere Hälfte trägt die Agentur. Das hält beide diszipliniert: Der Kunde stellt keine Luxusanforderungen, du schätzt nicht zu knapp.
- Ausstiegspunkte. Nach jedem Release kann der Kunde das Projekt beenden, wenn der Nutzen erreicht ist. Gibt es Restbudget, bekommt er einen vereinbarten Teil zurück. Klingt nach Verlust, ist aber ein starkes Verkaufsargument.
- Abnahme pro Release. Jedes Release wird gegen die Akzeptanzkriterien seiner Stories abgenommen. Das macht aus einem großen Abnahmerisiko viele kleine.
Ein Rechenbeispiel
Ein Projekt mit 400 Story Points. Das Referenz-Feature hat 8 Punkte und hat in der Ausarbeitung 40 Stunden gebraucht, also 5 Stunden pro Punkt.
| Schritt | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Geschätzter Aufwand | 400 × 5 | 2.000 Stunden |
| Bei 95 Euro Stundensatz | 2.000 × 95 | 190.000 Euro |
| Puffer für Unsicherheit, sagen wir 15 Prozent | 2.000 × 1,15 | 2.300 Stunden, also 218.500 Euro Festpreis |
| Nach der Checkpoint-Phase: 5,5 Stunden pro Punkt | 400 × 5,5 | 2.200 Stunden, im Puffer. Weiter |
| Am Ende | 2.500 - 2.300 | 200 Stunden mehr, als der Festpreis abdeckt |
Bei einer Quote von 50 zu 50 zahlt der Kunde 100 × 95 = 9.500 Euro zusätzlich. Die anderen 100 Stunden trägst du.
Wann funktioniert der agile Festpreis nicht?
- Kein echter Product Owner. Wenn auf Kundenseite niemand entscheiden darf, was getauscht wird, hängt jeder Austausch drei Wochen im Lenkungskreis.
- Einkauf will den klassischen Festpreis. Manche Einkaufsabteilungen bestehen auf vollständigem Pflichtenheft und fixem Umfang. Dann ist es ein klassischer Festpreis, und du kalkulierst entsprechend.
- Kein Vertrauen. Der Austausch lebt davon, dass beide Seiten fair schätzen. Wenn jede Schätzung verhandelt wird, bricht das Modell.
- Zu kleines Projekt. Unter ein paar Monaten Laufzeit lohnt sich der Aufwand für Checkpoint und Referenz-Feature selten.
Was bringt dein eigener Code beim Festpreis?
Beim Festpreis ist jede gesparte Stunde Marge. Agenturen mit eigenen Bibliotheken, Starter-Kits und Deployment-Werkzeugen sind deshalb schneller und verdienen mehr.
Und wenn die Bausteine gut genug sind, dass andere sie auch wollen, lohnt ein Blick auf Was ist Code wert?.