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Werkvertrag oder Dienstvertrag: Welcher Vertrag passt zu deinem Softwareprojekt?

Geprüft am 12. Oktober 2026

Kurz gesagt

Beim Werkvertrag (§ 631 BGB) schuldest du ein Ergebnis, die Vergütung wird mit der Abnahme fällig, und du haftest für Mängel. Beim Dienstvertrag (§ 611 BGB) schuldest du Arbeit und bekommst Geld für die geleistete Zeit. Welcher Typ gilt, entscheidet der tatsächliche Inhalt der Vereinbarung. Die Überschrift zählt wenig.

Beim Werkvertrag nach § 631 BGB schuldest du ein Ergebnis: die fertige Software, wie im Pflichtenheft beschrieben. Bezahlt wird mit der Abnahme (§ 641 BGB), und für Mängel haftest du. Beim Dienstvertrag nach § 611 BGB schuldest du Arbeit: Entwicklerstunden nach bestem Können, bezahlt nach Aufwand, ohne Abnahme.

Welcher Typ gilt, entscheidet in Deutschland der tatsächliche Inhalt der Vereinbarung. Ein „Dienstvertrag“ mit festem Lieferumfang und Abnahmeprotokoll ist trotzdem ein Werkvertrag. Für deine Agentur heißt das: Erst klären, was du verkaufst, dann den Vertrag danach bauen.

Was ist der Unterschied zwischen Werkvertrag und Dienstvertrag?

Werkvertrag (§ 631 BGB)Dienstvertrag (§ 611 BGB)
GeschuldetEin Ergebnis, das funktioniertTätigkeit, kein bestimmter Erfolg
Typischer PreisFestpreisNach Aufwand, Stunden- oder Tagessatz
AbnahmeJa, mit Folgen für Zahlung und Gewährleistung (§ 640 BGB)Keine
FälligkeitMit Abnahme (§ 641 BGB), vorher Abschläge (§ 632a BGB)Nach Vereinbarung, meist monatlich
MängelNacherfüllung, Selbstvornahme, Rücktritt oder Minderung, Schadensersatz (§ 634 BGB)Nur Schadensersatz bei schuldhafter Pflichtverletzung (§ 280 Abs. 1 BGB)
Risiko, dass es länger dauertBei dirBeim Kunden
Kündigung durch KundenJederzeit bis zur Vollendung, mit Vergütung (§ 648 BGB)Nach Vertrag und §§ 620 ff. BGB

Kurz: Beim Werkvertrag trägst du das Risiko, dass es länger dauert, und bekommst dafür die Marge, wenn es schneller geht. Beim Dienstvertrag trägt der Kunde das Risiko, und du verdienst pro Stunde.

Wann ist ein Softwareprojekt ein Werkvertrag?

Wenn ein Ergebnis geschuldet ist. Typische Anzeichen:

Die meisten Individualentwicklungen, Relaunches und App-Projekte mit Festpreis sind Werkverträge, egal wie der Vertrag heißt.

Wann ist es ein Dienstvertrag?

Wenn Arbeit geschuldet ist und kein bestimmtes Ergebnis. Typische Anzeichen:

Wie funktioniert die Abnahme beim Werkvertrag?

Der Kunde muss ein vertragsgemäß hergestelltes Werk abnehmen. Wegen unwesentlicher Mängel darf er die Abnahme nicht verweigern (§ 640 Abs. 1 BGB). Mit der Abnahme wird die Vergütung fällig (§ 641 Abs. 1 BGB).

Kunden zögern die Abnahme gern hinaus, wenn das Budget knapp wird oder intern noch Wünsche auftauchen. Dagegen hilft § 640 Abs. 2 BGB:

  1. Du setzt nach Fertigstellung eine angemessene Frist zur Abnahme.
  2. Du schickst die Aufforderung schriftlich und mit Datum.
  3. Verweigert der Kunde die Abnahme in dieser Frist nicht unter Angabe mindestens eines Mangels, gilt das Werk als abgenommen.

Zwei Dinge machen dir das Leben leichter:

Was im Pflichtenheft stehen muss, damit die Abnahme messbar ist, steht in Lastenheft und Pflichtenheft.

Was passiert, wenn der Kunde mitten im Projekt kündigt?

Beim Werkvertrag darf der Kunde bis zur Vollendung jederzeit kündigen (§ 648 BGB). Du behältst den Anspruch auf die vereinbarte Vergütung. Anrechnen lassen musst du dir:

Für den nicht erbrachten Teil wird vermutet, dass dir 5 Prozent der darauf entfallenden Vergütung zustehen. Wer mehr will, muss seine Kalkulation offenlegen.

Welcher Vertrag passt zu welchem Projekt?

ProjektVertrag
Klarer Scope, Kunde will BudgetsicherheitWerkvertrag mit Festpreis, Teilabnahmen und Change-Request-Verfahren
Unklarer Scope, Kunde will mitsteuernDienstvertrag nach Aufwand, mit Budgetrahmen und monatlichem Reporting
Agiles Projekt, Kunde will trotzdem eine ZahlAgiler Festpreis, siehe Agiler Festpreis
Wartung nach Go-liveDienstvertrag als Retainer, für definierte Leistungen wie Updates auch werkvertragliche Elemente

Und die Rechte am Code?

Egal welcher Vertragstyp: Wer welche Nutzungsrechte am Code bekommt, regelt das BGB nicht. Das steht im Urheberrechtsgesetz und in deiner Rechteklausel.

Häufige Fragen

Ist Softwareentwicklung ein Werkvertrag oder ein Dienstvertrag?

Das hängt vom Inhalt ab. Schuldet die Agentur eine fertige, abnahmefähige Software nach Pflichtenheft, spricht das für einen Werkvertrag nach § 631 BGB. Stellt sie Entwicklerkapazität nach Aufwand bereit und der Kunde steuert die Arbeit, spricht das für einen Dienstvertrag nach § 611 BGB.

Wann wird beim Werkvertrag bezahlt?

Die Vergütung ist bei der Abnahme fällig (§ 641 Abs. 1 BGB). Vorher kann die Agentur Abschlagszahlungen in Höhe des Werts der erbrachten Leistung verlangen (§ 632a BGB). Bei Teilabnahmen mit eigener Vergütung wird jeder Teil mit seiner Abnahme fällig.

Kann der Kunde einen Werkvertrag jederzeit kündigen?

Ja, bis zur Vollendung des Werks (§ 648 BGB). Die Agentur behält dann den Anspruch auf die vereinbarte Vergütung, muss sich aber ersparte Aufwendungen und anderweitigen Erwerb anrechnen lassen. Für den nicht erbrachten Teil wird ein Anteil der Vergütung vermutet.

Was passiert, wenn der Kunde die Abnahme verzögert?

Die Agentur kann nach Fertigstellung eine angemessene Frist zur Abnahme setzen. Verweigert der Kunde die Abnahme in dieser Frist nicht unter Angabe mindestens eines Mangels, gilt das Werk als abgenommen (§ 640 Abs. 2 BGB).

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