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Code und Rechte

Code für KI-Training: Darf deine Agentur Repos als Trainingsdaten lizenzieren?

Geprüft am 12. Oktober 2026

Kurz gesagt

Code ist in Deutschland urheberrechtlich geschützt, und für KI-Training wird er vervielfältigt. Ohne Lizenz ist das nur unter den Bedingungen des Text und Data Mining nach § 44b UrhG erlaubt, und ein maschinenlesbarer Vorbehalt schließt das für online zugänglichen Code aus. Deine Agentur kann Trainingsrechte an eigenen Repos lizenzieren, wenn die Rechtekette dokumentiert ist und keine Kundendaten oder Geheimnisse im Code stecken.

Ja, deine Agentur kann eigenen Code als Trainingsdaten lizenzieren. In Deutschland ist Code als Computerprogramm geschützt (§ 69a UrhG), und Training heißt Vervielfältigung. Ohne Lizenz dürfen KI-Firmen nur zum Text und Data Mining nach § 44b UrhG kopieren, und das gilt nicht, wenn du einen Vorbehalt erklärt hast.

Wer Trainingsdaten kauft, will vor allem eines: Code, an dem die Rechte sicher beim Verkäufer liegen. Für Agenturen mit vielen eigenen Repos ist das eine Einnahmequelle neben Lizenz und Verkauf.

Was sagt das deutsche Urheberrecht zu KI-Training?

Text und Data Mining ist die automatisierte Analyse digitaler Werke, um Muster, Trends und Korrelationen zu gewinnen (§ 44b Abs. 1 UrhG). Das Sammeln und Kopieren von Trainingsdaten fällt nach herrschender Ansicht darunter, und die KI-Verordnung setzt das voraus (Art. 53 Abs. 1 Buchst. c KI-Verordnung). Die Regeln:

Code, der nicht öffentlich ist, etwa in privaten Repos, ist für Dritte meist gar nicht rechtmäßig zugänglich. Dann hilft § 44b UrhG nicht, und ein Training braucht deine Lizenz.

Welche Pflichten haben KI-Anbieter, die deinen Code nutzen?

Die KI-Verordnung, Verordnung (EU) 2024/1689, verlangt von Anbietern von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck seit dem 2. August 2025 unter anderem:

  1. eine Strategie zur Einhaltung des EU-Urheberrechts, die Vorbehalte nach Art. 4 Abs. 3 der Richtlinie (EU) 2019/790 erkennt und beachtet (Art. 53 Abs. 1 Buchst. c KI-Verordnung),
  2. eine öffentliche, ausreichend detaillierte Zusammenfassung der Trainingsinhalte (Art. 53 Abs. 1 Buchst. d KI-Verordnung).

Für dich heißt das: Große Anbieter haben ein Interesse an Daten mit belegter Lizenz, weil sie dokumentieren müssen, woher ihre Inhalte stammen. Lizenzierter Code ist für sie weniger Risiko als gescrapter.

Welche Repos darfst du als Trainingsdaten anbieten?

Nicht jedes Repo auf deinem Server gehört deiner Agentur. Teil deine Repos in drei Gruppen:

GruppeTypische HerkunftTrainingslizenz möglich?
Eigene Produkte und BibliothekenIntern entwickelt, von AngestelltenJa, wenn die Rechtekette dokumentiert ist
Kundenprojekte mit einfachem Recht für den KundenProjektvertrag lässt dir die RechteRechtlich oft ja, praktisch meist durch Geheimhaltung blockiert
Kundenprojekte mit ausschließlichem RechtÜbliche IndividualentwicklungNein

Bei Angestellten darf der Arbeitgeber alle vermögensrechtlichen Befugnisse ausüben, wenn sie den Code in Wahrnehmung ihrer Aufgaben geschrieben haben (§ 69b UrhG). Bei Freelancern brauchst du einen Vertrag, der die Rechte ausdrücklich einräumt. Die Einzelheiten stehen in Wem gehört der Code?.

Was muss vor der Lizenz aus dem Code raus?

Ein Käufer von Trainingsdaten bekommt eine Kopie deines Repos. Alles, was darin steckt, geht mit. Prüfe vorher:

Was gehört in eine Lizenz für Trainingsdaten?

Eine Trainingslizenz ist ein Lizenzvertrag mit besonderen Nutzungsarten. Regel mindestens:

  1. Nutzungsart: Vervielfältigung und Bearbeitung zum Training, Feintuning oder zur Evaluation von Modellen.
  2. Umfang: welche Repos, welcher Stand, mit oder ohne Historie.
  3. Ausschluss: keine Wiedergabe deines Codes in den Ausgaben des Modells, soweit technisch steuerbar, kein Weiterverkauf des Datensatzes.
  4. Exklusivität: einfach oder ausschließlich, mit Laufzeit.
  5. Löschung: was mit den Kopien nach Ende der Lizenz passiert.
  6. Vergütung: Einmalbetrag pro Datensatz oder laufend.

Wie ein Softwarelizenzvertrag grundsätzlich aufgebaut ist, steht in Lizenzvertrag Software.

Wie viel ist Code als Trainingsdaten wert?

Für Trainingsdaten zählt anderes als für eine Produktlizenz. Gefragt sind Breite und Qualität:

Ein großes, ungepflegtes Repo, das sich als Produkt kaum lizenzieren lässt, kann als Trainingsmaterial trotzdem Geld bringen.

Wie man den Wert eines Repos einschätzt und welche Größenordnungen üblich sind, steht in Was ist Code wert?.

Häufige Fragen

Dürfen KI-Firmen öffentlichen Code ohne Erlaubnis zum Training nutzen?

In Deutschland erlaubt § 44b UrhG Vervielfältigungen rechtmäßig zugänglicher Werke für Text und Data Mining, für Computerprogramme ausdrücklich auch (§ 69d Abs. 4 UrhG). Das gilt nicht, wenn sich der Rechtsinhaber die Nutzung vorbehalten hat. Bei online zugänglichem Code muss der Vorbehalt maschinenlesbar sein (§ 44b Abs. 3 UrhG).

Kann meine Agentur Kundencode als Trainingsdaten lizenzieren?

Nur wenn der Kundenvertrag deiner Agentur die nötigen Rechte lässt. Hat der Kunde ein ausschließliches Nutzungsrecht bekommen, kannst du keine Trainingslizenz vergeben. Dazu kommen Geheimhaltungsklauseln, die eine Weitergabe meist ganz ausschließen.

Welche Pflichten haben Anbieter von KI-Modellen beim Urheberrecht?

Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck müssen nach Art. 53 Abs. 1 Buchst. c KI-Verordnung eine Strategie zur Einhaltung des EU-Urheberrechts haben, die auch Vorbehalte nach Art. 4 Abs. 3 der Richtlinie (EU) 2019/790 erkennt und beachtet. Nach Buchst. d veröffentlichen sie eine Zusammenfassung der Trainingsinhalte.

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