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Was KI für Agenturen verändert: Preise, Verträge und die Rechte am Code

Geprüft am 12. Oktober 2026

Kurz gesagt

KI-Werkzeuge machen Teile der Entwicklung schneller, und Kunden wollen das im Preis sehen. Wer nach Stunden abrechnet, verliert Umsatz. Wer Festpreise und Lizenzen verkauft, kann die Produktivität behalten. Code, den eine KI ohne nennenswerten menschlichen Beitrag erzeugt, ist nach deutschem Urheberrecht schwer zu schützen. Das betrifft Kundenverträge und den Wert deiner Repos.

KI-Werkzeuge schreiben inzwischen einen Teil des Codes, der in Agenturen entsteht. Das verändert drei Dinge: wie du Preise rechnest, was in Kundenverträgen stehen muss und wie viel deine Repos wert sind.

Kunden erwarten, dass die schnellere Arbeit im Preis sichtbar wird. Wer nur Stunden verkauft, verliert dabei Umsatz.

Dazu kommt das Recht. Nach deutschem Urheberrecht ist Code geschützt, wenn er eine eigene geistige Schöpfung eines Menschen ist (§ 69a Abs. 3 UrhG, § 7 UrhG). Je mehr eine Maschine allein erzeugt, desto schwerer wird das.

Was passiert mit dem Stundensatz?

Wenn ein Entwickler mit KI-Unterstützung für eine Aufgabe weniger Zeit braucht, sinkt bei Abrechnung nach Aufwand dein Umsatz pro Aufgabe. Die Kosten pro Entwickler bleiben gleich.

Daraus folgen drei Wege, die Agenturen gerade gehen:

  1. Mehr Festpreis. Du verkaufst Ergebnisse, die Produktivität bleibt bei dir. Dafür trägst du das Risiko. Wie das mit wechselndem Scope geht, steht in Agiler Festpreis.
  2. Höherer Stundensatz mit Begründung. Funktioniert bei Kunden, die Ergebnisse vergleichen, schlecht beim Einkauf mit Stundensatzlisten.
  3. Lizenzen und Bausteine. Fertige Module kosten den Kunden weniger als Neuentwicklung und bringen dir mehr pro Stunde.

Wem gehört Code, den eine KI geschrieben hat?

Das deutsche Urheberrecht schützt Werke von Menschen. Urheber ist der Schöpfer (§ 7 UrhG), und für Software braucht es eine eigene geistige Schöpfung (§ 69a Abs. 3 UrhG). Die Folgen für Agenturen:

SituationWas das für den Schutz bedeutet
Entwickler schreibt, KI vervollständigt ZeilenGestaltung liegt beim Menschen, Schutz gut begründbar
Entwickler gibt Struktur vor, prüft und überarbeitet KI-VorschlägeSchutz für die menschlich gestalteten Teile begründbar
KI erzeugt ganze Module nach kurzer Anweisung, kaum ÜberarbeitungSchutz schwer zu begründen

Für dich hat das zwei Folgen. Erstens kannst du dem Kunden Rechte nur an dem einräumen, was geschützt ist. Was ungeschützt ist, kann jeder nutzen.

Zweitens sinkt der Wert eines Repos, wenn ein Käufer nicht sicher sein kann, dass der Code geschützt ist.

Was muss in Kundenverträge?

Einkaufsabteilungen haben angefangen, KI im Vertrag zu regeln. Prüfe deine Rahmenverträge auf diese Punkte und regle sie selbst in deinen Angeboten:

Wenn du personenbezogene Daten des Kunden verarbeitest und dafür KI-Dienste nutzt, sind diese Dienste Unterauftragsverarbeiter (Art. 28 Abs. 2 und 4 DSGVO). Was dann gilt, steht in Auftragsverarbeitung.

Welche Pflichten hat deine Agentur nach der KI-Verordnung?

Die KI-Verordnung, Verordnung (EU) 2024/1689, unterscheidet Rollen. Für Agenturen sind zwei wichtig:

RolleWann du sie hastZentrale Pflicht
BetreiberDu nutzt KI-Systeme in deiner Agentur, etwa Code-AssistentenMaßnahmen zur KI-Kompetenz deiner Leute (Art. 4 KI-Verordnung)
AnbieterDu entwickelst ein KI-System und bringst es unter eigenem Namen in Verkehr (Art. 3 Nr. 3 KI-Verordnung)Je nach System und Risiko, etwa Transparenzpflichten (Art. 50 KI-Verordnung)

Die Pflicht zur KI-Kompetenz gilt seit dem 2. Februar 2025.

In der Fassung des Digital Omnibus, in Kraft seit dem 27. Juli 2026, verlangt Art. 4 Abs. 1 KI-Verordnung Maßnahmen, die die KI-Kompetenz deiner Leute fördern. Ein bestimmtes Niveau jedes Einzelnen musst du ausdrücklich nicht garantieren. In der Praxis heißt das: Schulungen und eine interne Richtlinie zu erlaubten Werkzeugen, beides dokumentiert.

Baust du KI-Funktionen für Kunden, wird es genauer. Das steht in KI-Verordnung für Agenturen.

Was bedeutet KI für den Wert deines Codes?

Zwei Entwicklungen laufen gegeneinander. Neuer Code wird billiger zu schreiben. Gleichzeitig wird Code mit klarer Rechtekette, Tests und echter Geschäftslogik wertvoller, weil er sich sicher lizenzieren lässt und als Trainingsmaterial gefragt ist.

Für deine Agentur heißt das:

  1. Bestehende Repos aus der Zeit vor KI-Werkzeugen lassen sich leichter menschlichen Urhebern zuordnen.
  2. Repos mit Tests, Doku und nachvollziehbarer Historie sind für Käufer und Lizenznehmer attraktiver.
  3. Code kann als Trainingsdaten lizenziert werden: Code für KI-Training.

Was deine Repos heute wert sind, steht in Was ist Code wert?.

Häufige Fragen

Ist KI-generierter Code urheberrechtlich geschützt?

Nach deutschem Recht ist Urheber der Schöpfer des Werkes (§ 7 UrhG), und ein Computerprogramm ist geschützt, wenn es eine eigene geistige Schöpfung seines Urhebers ist (§ 69a Abs. 3 UrhG). Je weniger ein Mensch zum konkreten Code beigetragen hat, desto schwerer lässt sich Schutz begründen. Code mit erkennbarer menschlicher Gestaltung, Auswahl und Überarbeitung steht deutlich besser da.

Muss ich dem Kunden sagen, dass wir KI-Werkzeuge nutzen?

Eine allgemeine gesetzliche Pflicht dazu gibt es für die Entwicklung nicht. Viele Kundenverträge regeln es aber inzwischen, etwa mit Verboten für bestimmte Werkzeuge oder Pflichten zur Offenlegung. Lies den Rahmenvertrag und die Einkaufsbedingungen.

Welche Pflichten hat meine Agentur nach der KI-Verordnung, wenn sie KI-Werkzeuge nutzt?

Als Betreiber von KI-Systemen musst du Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz deiner Leute zu fördern, die mit den Systemen arbeiten (Art. 4 KI-Verordnung). Baust du KI-Funktionen für Kunden, kommen je nach Rolle weitere Pflichten dazu.

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