KI-Werkzeuge schreiben inzwischen einen Teil des Codes, der in Agenturen entsteht. Das verändert drei Dinge: wie du Preise rechnest, was in Kundenverträgen stehen muss und wie viel deine Repos wert sind.
Kunden erwarten, dass die schnellere Arbeit im Preis sichtbar wird. Wer nur Stunden verkauft, verliert dabei Umsatz.
Dazu kommt das Recht. Nach deutschem Urheberrecht ist Code geschützt, wenn er eine eigene geistige Schöpfung eines Menschen ist (§ 69a Abs. 3 UrhG, § 7 UrhG). Je mehr eine Maschine allein erzeugt, desto schwerer wird das.
Was passiert mit dem Stundensatz?
Wenn ein Entwickler mit KI-Unterstützung für eine Aufgabe weniger Zeit braucht, sinkt bei Abrechnung nach Aufwand dein Umsatz pro Aufgabe. Die Kosten pro Entwickler bleiben gleich.
Daraus folgen drei Wege, die Agenturen gerade gehen:
- Mehr Festpreis. Du verkaufst Ergebnisse, die Produktivität bleibt bei dir. Dafür trägst du das Risiko. Wie das mit wechselndem Scope geht, steht in Agiler Festpreis.
- Höherer Stundensatz mit Begründung. Funktioniert bei Kunden, die Ergebnisse vergleichen, schlecht beim Einkauf mit Stundensatzlisten.
- Lizenzen und Bausteine. Fertige Module kosten den Kunden weniger als Neuentwicklung und bringen dir mehr pro Stunde.
Wem gehört Code, den eine KI geschrieben hat?
Das deutsche Urheberrecht schützt Werke von Menschen. Urheber ist der Schöpfer (§ 7 UrhG), und für Software braucht es eine eigene geistige Schöpfung (§ 69a Abs. 3 UrhG). Die Folgen für Agenturen:
| Situation | Was das für den Schutz bedeutet |
|---|---|
| Entwickler schreibt, KI vervollständigt Zeilen | Gestaltung liegt beim Menschen, Schutz gut begründbar |
| Entwickler gibt Struktur vor, prüft und überarbeitet KI-Vorschläge | Schutz für die menschlich gestalteten Teile begründbar |
| KI erzeugt ganze Module nach kurzer Anweisung, kaum Überarbeitung | Schutz schwer zu begründen |
Für dich hat das zwei Folgen. Erstens kannst du dem Kunden Rechte nur an dem einräumen, was geschützt ist. Was ungeschützt ist, kann jeder nutzen.
Zweitens sinkt der Wert eines Repos, wenn ein Käufer nicht sicher sein kann, dass der Code geschützt ist.
Was muss in Kundenverträge?
Einkaufsabteilungen haben angefangen, KI im Vertrag zu regeln. Prüfe deine Rahmenverträge auf diese Punkte und regle sie selbst in deinen Angeboten:
- Erlaubte Werkzeuge: ob und welche KI-Werkzeuge du nutzen darfst.
- Vertraulichkeit: ob Kundencode an externe KI-Dienste gehen darf und unter welchen Bedingungen.
- Rechtegarantie: viele Verträge verlangen, dass du alle Rechte am Ergebnis einräumen kannst. Bei KI-Anteilen kannst du das nur eingeschränkt zusagen.
- Freistellung: wer haftet, wenn KI-Code fremden Code wiedergibt.
- Open Source: KI-Vorschläge können Lizenzpflichten aus fremdem Code mitbringen. Lizenzscans gehören in den Prozess.
Wenn du personenbezogene Daten des Kunden verarbeitest und dafür KI-Dienste nutzt, sind diese Dienste Unterauftragsverarbeiter (Art. 28 Abs. 2 und 4 DSGVO). Was dann gilt, steht in Auftragsverarbeitung.
Welche Pflichten hat deine Agentur nach der KI-Verordnung?
Die KI-Verordnung, Verordnung (EU) 2024/1689, unterscheidet Rollen. Für Agenturen sind zwei wichtig:
| Rolle | Wann du sie hast | Zentrale Pflicht |
|---|---|---|
| Betreiber | Du nutzt KI-Systeme in deiner Agentur, etwa Code-Assistenten | Maßnahmen zur KI-Kompetenz deiner Leute (Art. 4 KI-Verordnung) |
| Anbieter | Du entwickelst ein KI-System und bringst es unter eigenem Namen in Verkehr (Art. 3 Nr. 3 KI-Verordnung) | Je nach System und Risiko, etwa Transparenzpflichten (Art. 50 KI-Verordnung) |
Die Pflicht zur KI-Kompetenz gilt seit dem 2. Februar 2025.
In der Fassung des Digital Omnibus, in Kraft seit dem 27. Juli 2026, verlangt Art. 4 Abs. 1 KI-Verordnung Maßnahmen, die die KI-Kompetenz deiner Leute fördern. Ein bestimmtes Niveau jedes Einzelnen musst du ausdrücklich nicht garantieren. In der Praxis heißt das: Schulungen und eine interne Richtlinie zu erlaubten Werkzeugen, beides dokumentiert.
Baust du KI-Funktionen für Kunden, wird es genauer. Das steht in KI-Verordnung für Agenturen.
Was bedeutet KI für den Wert deines Codes?
Zwei Entwicklungen laufen gegeneinander. Neuer Code wird billiger zu schreiben. Gleichzeitig wird Code mit klarer Rechtekette, Tests und echter Geschäftslogik wertvoller, weil er sich sicher lizenzieren lässt und als Trainingsmaterial gefragt ist.
Für deine Agentur heißt das:
- Bestehende Repos aus der Zeit vor KI-Werkzeugen lassen sich leichter menschlichen Urhebern zuordnen.
- Repos mit Tests, Doku und nachvollziehbarer Historie sind für Käufer und Lizenznehmer attraktiver.
- Code kann als Trainingsdaten lizenziert werden: Code für KI-Training.
Was deine Repos heute wert sind, steht in Was ist Code wert?.