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Code und Rechte

MIT Lizenz und GPL Lizenz: Was Agenturen bei Open Source im Kundenprojekt beachten müssen

Geprüft am 12. Oktober 2026

Kurz gesagt

Die MIT-Lizenz erlaubt fast alles, solange der Copyright-Hinweis und der Lizenztext mitgeliefert werden. Die GPL verlangt bei Weitergabe eines darauf aufbauenden Programms, dass auch dein Code unter der GPL mit Quellcode weitergegeben wird. Für deine Agentur entscheidet die Lizenzliste im Repo, ob du deinen Code noch exklusiv lizenzieren oder verkaufen kannst.

Die MIT-Lizenz erlaubt fast alles: nutzen, ändern, verkaufen, in geschlossene Produkte einbauen. Pflicht ist nur, den Copyright-Hinweis und den Lizenztext mitzuliefern.

Die GPL ist strenger. Gibst du ein Programm weiter, das auf GPL-Code aufbaut, muss es als Ganzes unter der GPL stehen, und der Empfänger bekommt den Quellcode.

Rechtlich sind beide Lizenzen in Deutschland Einräumungen von Nutzungsrechten nach § 31 UrhG, gebunden an Bedingungen. Wer die Bedingungen bricht, nutzt fremden Code ohne Recht. Für deine Agentur zählt die Lizenzliste im Repo, sobald du Code an Kunden lieferst, lizenzierst oder verkaufst.

Was erlaubt die MIT-Lizenz?

Die MIT-Lizenz ist kurz und großzügig. Jeder darf den Code ohne Einschränkung nutzen, kopieren, ändern, zusammenführen, veröffentlichen, verbreiten, unterlizenzieren und verkaufen. Es gibt eine Bedingung und einen Haftungsausschluss:

Für Agenturen ist MIT unproblematisch. Du darfst MIT-Code in ein Kundenprojekt einbauen und das Ergebnis unter beliebiger Lizenz liefern. Ähnlich großzügig sind BSD und Apache 2.0, Apache 2.0 enthält zusätzlich eine Patentlizenz und verlangt Hinweise in geänderten Dateien.

Was verlangt die GPL?

Die GNU General Public License ist eine Copyleft-Lizenz. Die GPL gibt dieselben Freiheiten wie MIT, aber mit einer Gegenleistung: Wer ein darauf aufbauendes Werk weitergibt, muss es unter denselben Bedingungen weitergeben.

Nach der GPL v3 gilt bei der Weitergabe (Abschnitte 4 bis 6):

  1. Das gesamte darauf aufbauende Werk steht unter der GPL.
  2. Der Empfänger bekommt den vollständigen Quellcode oder ein Angebot dafür.
  3. Der Lizenztext liegt bei.
  4. Du darfst keine zusätzlichen Einschränkungen auferlegen.

Interne Nutzung löst diese Pflichten nicht aus. Wer GPL-Software nur im eigenen Haus ändert und einsetzt, muss nichts offenlegen.

MIT oder GPL: Was ist der Unterschied für Agenturen?

MITGPL v3AGPL v3
Kommerziell nutzbarJaJaJa
Einbau in geschlossene ProdukteJaNur ohne WeitergabeNur ohne Weitergabe und ohne Netzbetrieb für Dritte
Quellcode offenlegen bei WeitergabeNeinJa, für das ganze WerkJa, für das ganze Werk
Quellcode offenlegen bei SaaSNeinNeinJa, für Nutzer über das Netz (Abschnitt 13)
Hinweis und Lizenztext mitliefernJaJaJa

Die LGPL liegt dazwischen. Bibliotheken unter LGPL darfst du dynamisch einbinden, ohne dein Programm unter die LGPL zu stellen, solange der Nutzer die Bibliothek austauschen kann. Änderungen an der Bibliothek selbst musst du offenlegen.

Wann wird die GPL im Kundenprojekt zum Problem?

Drei Fälle tauchen in Agenturen immer wieder auf:

Was bedeuten Open-Source-Lizenzen für den Wert deines Codes?

Wer deinen Code lizenzieren oder kaufen will, fragt zuerst nach der Lizenzliste. Eine Liste, auf der nur MIT, BSD und Apache stehen, macht die Prüfung kurz. GPL- und AGPL-Komponenten im Kern führen zu Fragen, Abschlägen oder dem Ende des Gesprächs.

Was du vor einer Lizenz oder einem Verkauf vorbereitest:

  1. Lizenzscan über alle direkten und indirekten Abhängigkeiten.
  2. Liste mit Paket, Version, Lizenz und Einsatzort (Server, Client, Build).
  3. Copyleft-Komponenten markieren und prüfen, ob sie ersetzbar sind.
  4. Hinweisdatei mit allen Copyright-Vermerken ins Repo.

Diese Liste gehört in jeden Lizenzvertrag. Wie der aussieht, steht in Lizenzvertrag Software.

Kannst du eigenen Code selbst unter MIT oder GPL veröffentlichen?

Ja, wenn dir die Rechte daran gehören. Viele Agenturen stellen Bibliotheken unter MIT, um Sichtbarkeit zu gewinnen. Andere nutzen die GPL als Teil eines Doppellizenz-Modells: Open Source unter GPL, und wer den Code in geschlossene Produkte einbauen will, kauft eine kommerzielle Lizenz.

Das Doppellizenz-Modell funktioniert nur, wenn wirklich alle Rechte bei dir liegen. Beiträge von Freelancern oder externen Contributors brauchen dafür eine Rechteeinräumung an deine Agentur. Wie du das sicherst, steht in Wem gehört der Code?.

Was dein Code mit geprüfter Lizenzliste am Markt wert ist, steht in Was ist Code wert?.

Häufige Fragen

Darf ich MIT-lizenzierten Code in kommerziellen Kundenprojekten nutzen?

Ja. Die MIT-Lizenz erlaubt Nutzung, Änderung, Weitergabe und Verkauf. Bedingung ist, dass der Copyright-Hinweis und der Lizenztext in allen Kopien oder wesentlichen Teilen enthalten bleiben.

Muss ich meinen Code offenlegen, wenn ich eine GPL-Bibliothek nutze?

Wenn du ein Programm, das auf GPL-Code aufbaut, an Dritte weitergibst, muss das Gesamtwerk unter der GPL stehen, und der Empfänger hat Anspruch auf den Quellcode. Interne Nutzung löst diese Pflicht nicht aus. Betreibst du das Programm als Webdienst für andere, verlangt die AGPL v3 die Offenlegung (Abschnitt 13), die GPL v3 nicht.

Gilt die GPL auch in Deutschland?

Ja. Open-Source-Lizenzen sind Einräumungen von Nutzungsrechten nach § 31 UrhG unter Bedingungen. Wer die Bedingungen nicht einhält, nutzt den Code ohne Recht und verletzt das Urheberrecht.

Ist eine Lieferung an den Kunden schon eine Weitergabe im Sinne der GPL?

Ja, wenn du dem Kunden eine Kopie des Programms überlässt, gibst du es weiter. Dann muss er den Quellcode und den Lizenztext bekommen. Läuft die Software nur auf deinen Servern, ist das bei der GPL v3 keine Weitergabe.

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